Schreibende Sichtbarkeit

Am 14. März 2026 habe ich in meine Notizen geschrieben:

„Das Abenteuer dieser schreibenden Sichtbarkeit liegt bereits darin, dass jeder Schritt in einen Text hinein Mut zur Sichtbarkeit ist. Die Art und Weise, wie ich über Sichtbarkeit denke, forsche und schreibe, hat mit dem Wagnis zu tun, dass darin ich mich zeige, wie ich etwas gern mache, wie ich etwas auf meine eigene Art und Weise tue. Es auf diese eigene Art und Weise zu tun, macht mich bereits sichtbar

Darin liegt die Angst: Dass ich keinen Text beginnen möchte, der nach draußen geht, weil der Mut, meine Sichtbarkeit auf meine ganz eigene Schreib-Weise zu tun, im Kern alles ist, worum es mir geht. 

Umgekehrt ist genau dies das Einzige, was mich erfüllen kann: Auf meine Art schreiben für meine Sichtbarkeit. Meine Sichtbarkeit auf meine Weise zusammenweben mit meinen verschiedenen, wachsenden Texten. Alles roh, alles unfertig, alles in Bewegung. Und deswegen sichtbar. 

Es ist meine Sichtbarkeit. Ich mache sie auf meine Weise. Still vor mich hin webend. 

Wie die Schöpferin der Welt, Großmutter Spinne.“

Und heute, am 13. April 2026, fühle ich deutlich: Sichtbarkeit entsteht, wenn ich meine eigenen Worte finde. Wenn du deine eigenen Worte findest. Schreiben bekommt so eine ganz neue und schon lange gespürte Bedeutung: Die eigene Stimme, die das eigene Wort und damit die eigene Wahrheit hinausschickt und dem Außen und auch dem Innen deutlich macht, dass hier jemand ist, den zu hören und deswegen zu sehen es sich lohnt.

Ich lese meinen Text „Zwischen allen Stühlen“ nochmals und möchte nun anfügen: Das, was sich so als blutleeres Gerüst angefühlt hatte noch im Januar, das habe ich heute in mehr von meinen eigenen Worten umgeschrieben. Und ich spüre einen Elan, eine neue Spielfreude: Meine Webseite ist ein Text und Texte sind zum umschreiben da. Zum einfügen, ausstreichen, neu formulieren, anders ordnen, zum mitwachsen und klarer sehen.

Schon lange schreibe ich diese Webseite um und um. Und jetzt begreife ich, dass ich nicht ankommen muss. Dass daraus kein perfektes, für immer gültiges Gerüst werden muss, das bis in Ewigkeit trägt, und dass ich mich nie schämen musste für den Prozess. Sondern, dass ich beschreiben, drum herumschreiben, draufschreiben, drunterschreiben, hin und her schreiben darf. Weil ich die Autorin bin. Und weil sich die richtigen Worte mit der Zeit finden. Wenn man nicht damit rechnet. Wenn man wach bleibt. Und wenn man gerade schläft. Wenn man mit sich verbunden bleibt und bewusst dafür, wie man sich in letzter Zeit weiterentwickelt hat. Dann entwickelt sich der eigene Text, wie das eigene Leben, mit.