Zwischen allen Stühlen
Ich stelle fest: So wie meine Webseite heute ist (19.1.2026) ist sie mein Rahmen. Sie ist die authentischste Version, die ich mich traue, nach außen zu zeigen. Sie ist ein Rahmen und ein Gerüst, das ich mit viel Schweiß, Arbeit und Bangen aufgestellt habe. Sie ist das Fundament, das am allernächsten an meinem wahren Kern dran ist, wie ich ihn im Moment wage zu sehen und zu zeigen.
So ein Rahmen und Gerüst ist nichts heimeliges. Es ist nicht weich wie ein Kissen oder ein Sofa, auf das man sich legen kann und will. Ein Gerüst ist kalt, pragmatisch, dienlich. Um daran und dahinter und drum herum andere Dinge zu bauen und wachsen zu lassen. Das Gerücht drückt nicht alles aus, was dazu gehört. Es sind die bare bones, das Skelett, das Baugerüst, das nachher wieder abgenommen wird, wenn das Gebäude steht.
Ich bin jetzt bereit, mein Gerüst so stehen zu lassen. Unglaublich stolz bin ich, dass ich es in den letzten 3, fast sogar 4 Monaten habe gedeihen und Wurzeln schlagen lassen. Es ist ein kleines bisschen festgewachsen, fühlt sich so an, als würde es nicht mehr abgehen wie ein Embryo, der sich, wenn auch noch wackelig, doch in der Gebärmutter halten kann.
Und jetzt?
Jetzt lasse ich das Gerüst da stehen, akzeptiere, dass es kalt und fremd sich anfühlt, weil es nicht aus Fleisch und Blut ist.
Und gehe weiter, meine nächsten Schritte: Mich wirklich so sein lassen, wie ich bin, eine Frau voller Zyklen, die schnell drehen. Für mich sind das: Der Mondzyklus, die Planetenzyklen, die Jahreszeiten und Tageszeiten, meine Intuition, die wildwuchernd wandert nach keinem bisher bekannten Schema, meine Energie, die an und aus geht, meine Zahlen, nämlich die 10 und die 0, die immer weiterdrehen, ob ich mitdrehen möchte oder nicht. Ich befinde mich in einem Getriebe aus lauter Zyklen, aus verschiedenen Kreisen. Auch aus verschiedenen Gruppenkreisen. Da wo der eine Kreis in die eine Richtung dreht, dreht der nächste in die andere Richtung. Sehr, sehr fühle ich mich zwischen allen Kreisen, zwischen allen Stühlen. Ich bin zuhause im dazwischen, das sich ständig wandelt.
Ich fühle mich wohl mit der Beschreibung, dass ich im Zwischenraum sitze.
Und ich lerne jetzt, das auch zu leben, und das fühlt sich nicht so wohlig an.
Denn zwischen allen Stühlen fühle ich mich stets nicht dazugehörig. Stets am Rand und wieder doch nicht am Rand. In allen Kreisen gleichzeitig, vielleicht.
Auch, wenn sich das für mich als Mensch fremd anfühlt und gefährlich (immer sind wir ja als Menschen auf der Suche danach, dazuzugehören), fühlt sich diese Beschreibung und die Akzeptanz dieses Nicht-Platzes zutiefst heimatlich an. Noch nicht heimelig, aber irgendwie beruhigend. Dass es das gibt (weil ich es beschrieben habe und fühle) und dass es meins ist.
Jetzt habe ich also ein Gerüst (Webseite mit zwei Blogs und Newsletter) und einen Platz im Dazwischen. Von diesem Dazwischen aus erkunde ich. Ich schreibe. Und fülle so das Gerüst, das für meinen Geschmack als Dazwischen-Seele, sich ordentlich steif und nichtssagend anfühlt. Noch sehr behaftet von den Mustern der Vergangenheit, wo ich lieber eine glänzende Fassade wollte als ein echtes Ich. Aus Angst. Als Schutz. Vor diesem Dazwischen, das sich anfühlte wie ein Nichts. Ich schreibe und erkunde, wie das jetzt hier ist, bei mir, im Dazwischen. Was ich da so zum Thema Sichtbarkeit finde. Ich schreibe und erkunde, ohne zu wissen, wo es hingeht, ohne sicher zu sein, ob das Gerüst richtig ist. Am wichtigsten ist, dass es da ist und ich es stehen lasse. Und jetzt mit Fleisch und Blut fülle. Mit mir. Und dann sehen wir mal, wo sich das Gerüst wieder abbaut und an anderer Stelle wieder aufbaut. Wo es sich hinbewegt, wenn sich Fleisch und Blut bewegen.
Ich bin jetzt in Bewegung.

